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Galileo

Das europäische Navigationssystem soll GPS überflügeln. Doch der Start verzögert sich

Der Markt der Satellitennavigation explodiert: Der Absatz mobiler Navigationsgeräte stieg in Deutschland in nur zwei Jahren auf das 30-fache (s. Grafik r. unten). Die Auguren der Branche sehen ein goldenes Zeitalter anbrechen mit weltweit 3,6 Milliarden Nutzern 2020. Das europäische System Galileo soll den Trend verstärken und durch kostenpflichtige Dienste Milliardengewinne einbringen. Es wird zuverlässiger und mehrfach genauer sein als der jetzige Quasimonopolist, das amerikanische Global Positioning System (GPS).

„Galileo eröffnet ganz neue Möglichkeiten“, sagt Hans Joachim Jauch, Chef der Firma ISC Opcorner, die bereits an Galileo-Anwendungen arbeitet. Nicht nur Kraftfahrer und Wanderer profitieren: „Die Logistik gewinnt enorm an Effizienz, wenn Firmen mit Galileo-Chips ihre Waren automatisch orten können.“

Ab 2011, so der Plan, arbeitet das System. Doch der Termin wurde schon mehrfach verschoben. Zuletzt bremste Deutschland — bis Oberpfaffenhofen Standort für ein Kontrollzentrum wurde. Die Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten und dem designierten privaten Betreiberkonsortium scheinen komplizierter zu sein als die Technik selbst.

MILLIARDEN-PLÄNE

Eine komplizierte Mischfinanzierung ermöglicht die neue Navigation.

- Der Zeitplan: 2008 startet ein Probebetrieb mit vier Satelliten. 2011 soll das System funktionieren.

- Der Preis: Die Investitionskosten betragen zirka 3,9 Milliarden Euro.

- Die Geldgeber: Ein Firmenkonsortium bezahlt einen großen Teil und darf dafür die Signale vermarkten. Wichtigster staatlicher Finanzier ist die Europäische Union. Hinzu kommen Länder wie China und Indien.

GENAUER GEGEN GEBÜHR

Das europäische Navigationssystem bietet fünf Dienste an: für Privatanwender, Firmen und Staatsorgane.

- Offener Dienst

Die Standardsignale zur Positions- und Zeitberechnung sind wie bei GPS kostenlos. Angestrebt wird eine horizontale Genauigkeit von vier Metern, das US-System liefert nur eine von rund zehn bis 15 Metern. Künftige Navigationsgeräte werden sowohl GPS- als auch Galileo-Signale empfangen und diese kombinieren. Das verbessert die Resultate weiter.

- Kommerzieller Dienst

Gegen Gebühr sind verschlüsselte Zusatzsignale nutzbar, die die Genauigkeit wesentlich erhöhen. Mittels Korrektursendern vor Ort können stellenweise weniger als zehn Zentimeter möglich werden.

- Öffentlich regulierter Dienst

Die verschlüsselten, störsicheren Signale sind für staatliche Stellen wie Polizei und Zoll gedacht.

- Sicherheitskritischer Dienst

Dieser Dienst arbeitet mit Zuverlässigkeitsgarantie. Er ist etwa für den Luft- und Schienenverkehr gedacht, bei dem ein Ausfall lebensbedrohlich sein kann.

- Such- und Rettungsdienst

Die Satelliten können Notrufe empfangen und mit genauer Standortangabe sofort an Bodenstationen weiterleiten, die so schnellere Hilfe ermöglichen.

Überflieger

Die Galileo-Satelliten werden höher fliegen und stärkere Signale senden als die für GPS.

Tabelle: – | Galileo | GPS Tabelle: Satelliten | 30 | 30 Tabelle: Flughöhe | 23200 km | 20200 km Tabelle: Betreiber | zivil | US-Militär



Grafik: Hoch hinaus – Dieses Jahr werden 1,9 Millionen tragbare Navigatoren verkauft. 2004 waren es nur 60000

Grafik: Kreisverkehr im All – Je zehn der 30 Raum-sonden bewegen sich wie Perlen einer Kette auf der gleichen Umlaufbahn. Die drei Bahnen sind so gelegt, dass in jeder Region auf der Erde stets genug Orbiter in Funkreichweite sind

Grafik: Um die Position zu berechnen, muss ein Navigationsgerät die Signale von mindestens vier Orbitern empfangen

Grafik: Sechs Galileo-Satelliten kann eine Ariane-Rakete in die Umlaufbahn befördern

Grafik: Die Raumfahrtagentur Esa will europäische Ariane- und russische Sojus-Raketen für den Transport einsetzen

Grafik: Die 700 Kilo schweren Erdtrabanten mit 13 Meter Spannweite umrunden alle 14 Stunden den Globus

Bild: Logistikfirmen können mit genauen Signalen Frachtgut lokalisieren

Bild: Jetzige Navigationsgeräte nutzen GPS, künftige auch Galileo

Bild: Notrufgeräte werden mit Galileo Rettern den Unglücksort zeigen

Quelle: FOCUS 50/2006 vom 11. Dezember 2006, Autor: Christian Pantle)



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